Samstag, 3. September 2011

HD: Die Schaltkreise, Teil 1

Die neun Zentren in der Körpergrafik des Human Design sind durch insgesamt 36 Kanäle miteinander verbunden, durch die die Lebenskraft fließt, geprägt und modifiziert wird. Diese 36 Kanäle werden in drei Schaltkreisgruppen eingeteilt, die aus jeweils zwei Schaltkreisen bestehen. Eine Ausnahme bilden die vier Integrationskanäle, die keiner Schaltkreisgruppe zugeordnet werden. Die Kanäle werden nach den beiden Toren benannt, die sie miteinander verbinden: Kanal 1/8 z.B. verbindet Tor 1 im G-Zentrum mit Tor 8 im Kehlzentrum.

Jedem Element im Human Design ist außerdem ein Schlüsselwort zugeordnet, dass dessen Funktion prägnant umreißt und beim Studium hilft, sich alle Elemente thematisch gut einzuprägen. Auch bei der Deutung ist die Arbeit mit Schlüsselworten äußerst hilfreich. Bevor ich die Schaltkreise vorstelle, hier noch einmal im Überblick die Schlüsselworte für die Zentren, über die ich ja bereits ausführlich geschrieben habe:

  • Wurzelzentrum: Motor & Druckzentrum – existenzieller Druck, Trieb, Stress
  • Sakralzentrum: Motor – Lebenskraft, Energie, Ausdauer, Sexualität
  • Milzzentrum: Wahrnehmungszentrum – Instinkt, Intuition, Geschmack, Gehör, Geruch
  • Solarplexuszentrum: Motor & Wahrnehmungszentrum – Emotionen, Gefühle, Stimmungen, Sehnsüchte
  • Herzzentrum: Motor – Willenskraft, Ego, Selbstwertgefühl
  • G-Zentrum: Kompass – Selbst, Identität, Richtung, Liebe
  • Kehlzentrum: Ausdrucks- & Steuerzentrale – Kommunikation, Manifestation
  • Ajnazentrum: Wahrnehmungszentrum – Denken, Begriffsbildung
  • Kopfzentrum: Druckzentrum – geistiger Druck, Inspiration
Ajna- und Kopfzentrum bilden zusammen den Verstand.

Die drei Schaltkreisgruppen und ihre Schlüsselworte sind
  • die Schaltkreisgruppe des Stammes: gegenseitige Unterstützung
  • die Schaltkreisgruppe des Individuums: Bestärkung anderer
  • die Schaltkreisgruppe des Kollektivs: Teilen
  • Bei den Integrationskanälen geht es um die Selbstbestärkung.

DIE INTEGRATIONSKANÄLE

Für mich ist dies eine Art evolutionärer Pyramide: Ganz unten steht der Einzelkämpfer, das unbewusste ICH, das sich in noch keine Gruppe integriert hat, sondern allein um sein persönliches Überleben kämpft: das Raubtier, der Jäger. Hier regiert der bloße Instinkt: "Fressen und gefressen werden". Die Integrationskanäle kennen noch keinerlei humanitäre Rücksichten: "Jeder ist sich selbst der Nächste." Deshalb geht es hier ausschließlich um Selbstbestärkung. Wer einen definierten Integrationskanal hat, trägt eine stark ausgeprägte Selbstbezogenheit in sich – und genau das ist richtig für diesen Menschen! Natürlich modifizieren die übrigen definierten Kanäle und aktivierten Tore das Ganze noch sehr, aber hier, in den Integrationskanälen, hat der Mensch nicht nur die Veranlagung, sondern auch die Aufgabe, sich ausschließlich um sich selbst und sein Fortkommen zu kümmern. Zu dieser kleinen, archaischen Gruppe gehören die Kanäle
  • 20/10 (Kehle-Selbst) - Erwachen, ein Design der Verpflichtung an höhere Prinzipien
  • 20/34 (Kehle-Sakral) - Charisma, ein Design, wo Gedanken zu Taten werden müssen
  • 10/57 (Selbst-Milz) - Die vollendete Form, ein Design des Überlebens
  • 34/57 (Sakral-Milz) - Macht, ein Design des Archetyps
Interessant an den Integrationskanälen ist, dass sie nur vier Zentren miteinander verbinden. Der Einzelkämpfer hat keine Emotionen, kein Ego und keinen Verstand. Wenn man Ego als Sicherheitsstreben definiert, ist das noch einleuchtend; was ich allerdings nicht ganz verstehe, ist, wo der existenzielle Druck bleibt, der Kampf-, Flucht- oder Totstellreflex (Wurzel), für mich eigentlich der Inbegriff der animalischen Ebene, der diese Integrationskanäle ja zugeordnet werden. Es sei denn, ich habe hier etwas gründlich falsch verstanden. Was ich aber wieder verstehe, ist die einzige Stimme, die der Einzelkämpfer hat, und die sagt schlicht: "Ich bin." (Tor 20 im Kehlzentrum, Die Betrachtung, der Anblick) Außerdem ist dies die einzige Kanalgruppe in der Körpergrafik, die vier Tore gleichzeitig miteinander verbindet, was die Undifferenziertheit symbolisieren könnte, die hier noch herrscht.

DIE SCHALTKREISGRUPPE DES STAMMES

Irgendwann bemerkt der Einzelkämpfer, dass es viel leichter ist, in einer Gruppe zu überleben. Er schließt sich mit anderen zum Stamm (Sippe, Familie, Gemeinschaft) zusammen: das Herdentier, der Sammler. Im Stamm identifiziert sich jeder mit einem noch weitgehend unbewusst gestalteten WIR, nämlich dem Wir seiner Stammesgruppe. Das gemeinsame Interesse des Stammes ist das Überleben der Art und des Ego, das am effektivsten durch den Zusammenschluss in der Herde abgesichert werden kann. Der Stamm steht und fällt mit der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe nach dem Motto: "Eine Hand wäscht die andere." "Wie du mir, so ich dir." (oder auch: "Auge um Auge, Zahn um Zahn.") Individualität bedroht grundsätzlich den Erhalt dieses Gemeinwohls und wird deshalb ausgegrenzt oder sogar bekämpft.

Die Schaltkreisgruppe des Stammes besteht aus
- dem Schaltkreis des Ego mit den Kanälen
  • 54/32 (Wurzel-Milz) – Umwandlung, ein Design des Getriebenseins
  • 44/26 (Milz-Herz) – Hingabe, ein Design des Unternehmers und Vermittlers
  • 19/49 (Wurzel-Solarplexus) - Synthese, ein Design der Feinfühligkeit
  • 37/40 (Solarplexus-Herz) - Gemeinschaft, ein Design des Teils, der ein Ganzes sucht
  • 21/45 (Herz-Kehle) - Geld, ein Design des Materialisten
- dem Schaltkreis des Schutzes mit den Kanälen
  • 6/59 (Solarplexus-Sakral) - Paarung, ein Design der Fruchtbarkeit
  • 27/50 (Sakral-Milz) - Erhaltung, ein Design der Pflege

Interessant am Schaltkreis des Stammes ist, dass er kein Selbst und keinen Verstand hat: G-, Ajna- und Kopfzentrum sind nicht mit einbezogen. Und er hat nur einen Kanal, der ins Kehlzentrum einmündet, d.h. der Stamm hat nur eine Artikulations- und Manifestationsmöglichkeit, und die lautet: "Ich habe." (Tor 45 Die Sammlung). Beim Ego dreht sich letztlich alles um den materiellen Besitz, der das Überleben absichern soll, und bei der Erhaltung dreht sich alles um Fortpflanzung und Brutpflege, die der Erhaltung der Art dienen.

© Angela Nowicki, 3. September 2011

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